Ruhiger schlafen – mit einer Schiene für die Nacht.
Eine Unterkieferprotrusionsschiene hält den Unterkiefer nachts leicht vorn. Dadurch bleibt der Rachenraum offener, und das Gewebe, das beim Schnarchen vibriert, gerät weniger unter Druck.
Was die Schiene im Schlaf macht
Beim Schlafen erschlafft die Muskulatur im Rachen. Zunge und Weichgaumen sinken zurück, der Atemweg verengt sich, und die vorbeiströmende Luft versetzt das Gewebe in Schwingung – das ist das Schnarchgeräusch.
Die Schiene besteht aus zwei Teilen, einem für den Ober- und einem für den Unterkiefer, die miteinander gekoppelt sind. Sie hält den Unterkiefer in einer leicht vorgeschobenen Position. Weil Zunge und Zungenbein am Unterkiefer hängen, wandert damit auch der Zungengrund nach vorn und der Raum hinter ihm bleibt weiter offen.
Der Vorschub wird nicht auf einmal eingestellt, sondern in kleinen Schritten gesteigert, bis das Ergebnis stimmt und die Schiene morgens noch angenehm ist. Ein leichtes Spannungsgefühl in den Kaumuskeln in den ersten Nächten ist normal und legt sich meist innerhalb von ein bis zwei Wochen.
Erst der Befund, dann die Schiene
Schnarchen kann harmlos sein – es kann aber auch das hörbare Zeichen einer obstruktiven Schlafapnoe sein. Diesen Unterschied kann eine Schiene nicht klären.
Bei einer Schlafapnoe setzt die Atmung im Schlaf wiederholt für Sekunden aus. Das belastet Herz und Kreislauf und macht tagsüber müde, ohne dass Betroffene die Aussetzer selbst bemerken. Hinweise darauf sind lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Atempausen, morgendliche Kopfschmerzen und ausgeprägte Tagesmüdigkeit.
Wenn solche Anzeichen bestehen, gehört vor jeder Schienentherapie eine schlafmedizinische Untersuchung – in der Regel über die Hausarztpraxis, eine HNO-Praxis oder ein Schlaflabor. Dort wird gemessen, ob und wie stark die Atmung aussetzt.
Eine Protrusionsschiene ist eine anerkannte Behandlung bei einfachem Schnarchen sowie bei leicht- bis mittelgradiger obstruktiver Schlafapnoe. Bei schwerer Ausprägung bleibt die nächtliche Überdruckbeatmung der Standard; die Schiene kommt dann höchstens ergänzend oder bei Unverträglichkeit infrage. Diese Entscheidung trifft die Schlafmedizin, nicht wir.
Was Ihr Gebiss dafür mitbringen muss
Die Schiene hält sich an den eigenen Zähnen fest und überträgt darüber Kraft. Deshalb braucht es genügend stabile Zähne in beiden Kiefern, ein gesundes Zahnfleisch und einen Kieferknochen ohne fortgeschrittenen Abbau.
Ausgeprägte Beschwerden im Kiefergelenk sprechen zunächst gegen eine Protrusionsschiene, weil der Vorschub das Gelenk zusätzlich belastet. Wir untersuchen das Gelenk deshalb vorher.
Karies und lockere Füllungen oder Kronen sollten vor der Anfertigung versorgt sein – sonst passt die Schiene nach der Behandlung nicht mehr.
Vom Scan zur fertigen Schiene
Wir nehmen die Zahnreihen digital auf. Ein Abdruck mit Löffel und Abformmasse ist dafür nicht nötig, was den Termin für viele deutlich angenehmer macht.
Anhand des Scans wird die Schiene individuell im Labor angefertigt. Bis sie fertig ist, vergehen üblicherweise ein bis zwei Wochen.
Beim Einsetzen prüfen wir Sitz und Ausgangsposition und zeigen Ihnen, wie Sie den Vorschub selbst schrittweise nachstellen. Nach einigen Wochen sehen wir uns wieder an, wie sich das Tragen entwickelt hat, und stimmen bei Bedarf mit der behandelnden Schlafmedizin ab, ob eine Kontrollmessung sinnvoll ist.
Danach genügt in der Regel eine jährliche Kontrolle, bei der wir Zähne, Kiefergelenk und den Zustand der Schiene überprüfen.
Sie schnarchen und wissen nicht, ob eine Schiene für Sie infrage kommt?
Wir sehen uns Ihr Gebiss und Ihr Kiefergelenk an und sagen Ihnen, ob die Voraussetzungen stimmen – und wann vorher eine schlafmedizinische Abklärung nötig ist.